Blog-o-quest #56: Online-Spiel

8. Mai 2020 Aus Von Niniane

Diesmal fragt Timberwere nach Online-Spiel und anders als bei anderen Blog-o-questen kann ich abenteuerspielbuchmäßig erst einmal eine Eingangsfrage beantworten, die mich zum nächsten Abschnitt bringt:

Hier also zunächst die Grundfrage: Spielst du Rollenspiele online?

Das kann ich mit einem ganz klaren “Ja!” beantworten

Los geht’s:

  1. Welche Online-Plattform/en nutzt du zum Spielen und welche davon ist dir am liebsten?

Roll 20. Damit bin ich damals ins Online-Rollenspiel eingestiegen und dabei geblieben. Es hat für mich alles, was ich brauche: Ich kann den Spieltisch gestalten, Infos zu den Charakteren einstellen, habe die Regeln und Spielwerte parat und eine Chatfunktion, bei der ich zwischen Charakter und Spieler*in unterscheiden kann. 

Ich habe auch mal MapTool ausprobiert und Fantasy Grounds, beides hat mich aber nicht überzeugt (zumal letzteres auch immer kostenpflichtig ist, Roll20 kann ich erstmal ohne Abo/Bezahlung nutzen). 

Ein Spielleiter hat auch mal ein Google Sheet genutzt und dort die Token angeordnet, gewürfelt wurde per Teamspeak. Das war alles sehr minimalistisch, hat aber gepasst. 

  1. Welche Features der Online-RPG-Plattformen nutzt du? (z.B. Würfel, Charakterbögen, Notizen, Tokens, Karten, Bilder, Fog of War, etc.)
  • Würfel: auf jeden Fall, ob nun in Form von Makros oder als anklickbare Würfel in Fantasy Grounds, Würfel müssen sein. 
  • Charakterbögen: Das macht ein bisschen Arbeit beim ersten Anlegen, aber sobald die Charakterbögen in Roll20 den Spieler*innen zugewiesen wurden, können diese sie ja selbst ändern.
  • Notizen nutze ich eher selten, weil ich auch beim Offline-Spiel keine große Freundin von Handouts bin. Einmal habe ich das in Roll20 gemacht, um einem Spieler eine Vorabinformation zukommen zu lassen, die für die anderen Spieler*innen nicht relevant war.
    Wofür die Notizfunktion natürlich noch sehr gut geeignet ist, sind Handouts und Spickzettel. Die pbtA-Systeme – zumindest die, die ich kenne – haben alle eine Übersicht über die Basis-Spielzüge, die man hier den Spieler*innen hinterlegen kann, sodass niemand lange Regeln auswendig lernen oder nachfragen muss. 
  • Tokens: Ja klar! Ich bastele gerne Tokens für meine NSC (und auch für die SC, wobei ich das je nach Runde meistens den Spieler*innen überlasse) und suche dafür passende Bilder. Manchmal ist das sogar ein regelrechtes “Casting”, weil ich eine bestimmte Vorstellung habe, wie der Charakter aussehen soll.
  • Karten: Seit Google Maps ist es so einfach geworden, durch Orte zu gehen, an denen man in der Realität noch nie war. In unserer Supernatural-Runde (und auch in anderen Runden) haben wir als Hintergrund für den Spieltisch in Roll20 häufig eine Karte des Ortes. Und meistens hat flickr.com noch ein paar Bilder aus der Umgebung, mit denen man wunderbar alles in Szene setzen kann.
  • Bilder: Das oben erwähnte flickr.com ist eine wunderbare Fundgrube für Hintergründe und Stimmungsbilder (und wenn man die Suche auf Creative Commons einstellt, eine legale noch dazu). 
  • Karteikarten: Gerade bei Fate kann es sehr praktisch sein, wenn alle Spieler*innen die Aspekte der anderen sehen können. So kann man auch mal Vorschläge machen, um sie zu reizen oder einzusetzen und das Spiel dynamischer machen. 
  • Fatepunkte: Wo wir gerade von Fate reden… Was natürlich auch beim Onlinespiel nicht fehlen darf, ist eine Spielressource wie Bennies oder Fatepunkte. In der Supernatural-Runde hatte eine Spielerin Fatepunkte in Form des Antidämonen-Zeichens gemacht, für eine eher barockig-steampunkig angehauchte Runde habe ich ein Foto einer britischen 20p-Münze bearbeitet und als Fatepunkt genutzt. 

Und so sieht das dann aus, wenn es fertig ist (die beiden Screenshots stammen aus der Supernatural-Runde, in der der Charakter von Timberwere – Ethan – von einem Fluch befreit wurde, den Heliand/Lethe ihm angehängt hatte)

Virtueller Spieltisch zu „The Poet and the Muse“, Teil 1

Virtueller Spieltisch zu „The Poet and the Muse“, Teil 2
  1. Was sind für dich die Vor- bzw. Nachteile des Online-Spiels im Vergleich zum Spiel am Tisch?

Ein ganz klarer Vorteil ist natürlich, dass man nicht mehr irgendwohin fahren oder gehen muss. Gerade unter der Woche abends ist es doch viel gemütlicher, sich die Schlabberklamotten überzuziehen, das Abendessen neben den PC zu stellen und dann loszuspielen. Dank Push-to-talk oder anderer Techniken muss auch niemand hören, wie gut die Pizza ist oder dass der Döner gerade auf den Notizzettel tropft. Man muss sich nicht die Toilette teilen (außer mit den anderen Haus-/Wohnungsbewohnern) und kann auch bei kleineren (und natürlich auch größeren) Wehwehchen spielen, ohne dass man Angst haben muss, dass man die Gruppe ansteckt. 

Ein weiterer Vorteil (zumindest für mich) ist, dass man alles auf einem Blick hat: Charakterbogen, Würfel und Handouts sind alle in Roll20, man kann also nichts verlieren oder vergessen. 

Der erste genannte Vorteil kann natürlich auch ein Nachteil sein: Man kann viel leichter abgelenkt werden durch Kinder, die nochmal ein Fläschchen brauchen oder schlecht geschlafen haben, durch das Telefon oder durch den*die Partner*in, der*die nur mal eben etwas braucht – das natürlich nicht warten kann. 

Und wenn man mal gerade nicht dran ist bzw. der eigene Charakter nichts zu tun hat, ist das Internet ja nicht weit. Dann kann man mal gerade gucken, wer was zu wem auf Twitter oder auf Facebook gesagt hat, und schwupp, hat man den Einsatz verpasst oder was der wichtige NSC gerade der Gruppe mitgeteilt hat. 

  1. Spielst du online anders als offline, soll heißen: Stellst du in deiner Spielweise online zu offline Unterschiede fest und wenn ja, welche?

Ich glaube, ich beschreibe mehr, wenn ich online spiele, auch, wie das Innenleben meiner Figur aussieht. Ansonsten wüsste ich jetzt nicht, ob es Unterschiede gibt, bzw. ich würde das eher meine Mitspielenden beurteilen lassen (wer schon on- und offline mit mir gespielt hat, darf mir gerne einen Kommentar hinterlassen)

  1. Irgendwann wird die derzeitige Pandemie ja auch mal wieder vorbei sein. Willst du dann weiter Online-Runden haben oder nur noch am Tisch spielen, und in beiden Fällen: warum?

Ich spiele schon seit einiger Zeit nur noch online, weil ich so einfach die Möglichkeit habe, das zu spielen, was ich mag: Fate und pbtA, storygetriebenes Spiel und viel Drama. Sollte ich wieder eine Gruppe finden, die sowas mag, spiele ich sicher auch wieder am Tisch. Andernfalls bleibe ich beim reinen Onlinespiel und hoffe auf Cons wie die DZ-Con oder Tanelorn-Treffen.