[Karneval der Rollenspielblogs]: Ihr Neueinsteiger kommet..

7. Januar 2013 Aus Von Niniane

.. ist im Moment, wo der Gratisrollenspieltag näher kommt, ein Thema, das die deutschsprachige Rollenspieler und Rollenspiel-Blogger umtreibt. Auch im Tanelorn wird darüber heiss diskutiert. Und außerdem ist es das Thema des diesmonatigen Karneval der Rollenspielblogs.

Aber gibt es sie überhaupt, die Patentlösung, um neue Spieler für das Hobby Rollenspiel zu begeistern?

Dazu erst einmal einige Beobachtungen.

1. „Ich bin Rollenspieler“

Ich habe festgestellt, dass viele Spieler nicht zugeben wollen oder mögen, was sie da in ihrer Freizeit eigentlich so treiben. Es wird herumgedruckst oder umschrieben, anstatt einfach zu sagen, was es ist: Ein spannendes Hobby, genau wie Kochen, Lesen, DVD-Sammeln oder Sport. Für den einen ist es vielleicht mehr, aber das können andere Hobbys ja nun auch sein. Hobbyköche können ihr Restaurant eröffnen, Hobbyschreiner einen schönen Schrank bauen und wer gut in Handarbeiten ist, kann für sich und andere schicke Klamotten herstellen und sogar ein bißchen Geld damit verdienen.

Ich bin bisher auf positive Resonanzen gestossen, wenn ich gesagt habe, dass ich Rollenspielerin bin und habe dann erklärt, wie das Spiel funktioniert, was es für Spiele gibt, was den Reiz ausmacht und was es zum Beispiel vom Improvisationstheater oder dem Larp unterscheidet. Meine Kollegen wussten allesamt, was ich da so mache (einige sind selbst Rollenspieler) und ja, in Bewerbungen gebe ich an, woher ich zum Beispiel journalistische Kenntnisse besitze. Ein Rollenspiel-Fanzine ist meiner Meinung nach eine ebenso gute Referenz wie Berichte vom Kleintierzüchterverein Kleinkleckersheim.

2. „Die Szene stirbt“

Ja, das tut sie ganz bestimmt, wenn man sich dieses Mantra noch ein paar Mal vorsagt und fest dran glaubt. Ich persönlich kann es nicht mehr hören. Auf den meisten Cons, die ich in den letzten Jahren besucht habe, wird dieser Satz gebetsmühlenartig wiedergegeben, ist ein Con gut besucht (bei der letztjährigen Dreieich hatte ich jedenfalls nicht den Eindruck, dass da irgendwas stirbt..) oder verkauft sich ein Spiel besonders gut, ist das nur das letzte Aufbäumen. Schon in der Ausgabe #100 der Anduin hab ich dazu meine Meinung gesagt, und ich stehe nach wie vor dazu. „Wir“ müssen in die Öffentlichkeit (siehe Punkt 1) und zeigen, dass Rollenspiel eine Menge positive Eigenschaften hat und fördert, ähnlich wie Mannschaftssport oder Theaterworkshops: Teamwork, gemeinsames Erarbeiten von Lösungen, Verantwortung, Rücksichtnahme und Kreativität fielen mir da spontan ein. Und es gibt sicher eine Menge mehr.

3. „Die Jugendlichen interessieren sich doch gar nicht mehr für Pen und Paper“

Ja, vermutlich tun sie das nicht. Aus einem ganz einfachen Grund: Sie wissen oft gar nicht, dass es das gibt. Aber zu behaupten, dass sie es nicht tun, weil Computer und Co. spannender wären, halte ich für eine gewagte These. In diesem Thread hatte ich mir schon einmal Gedanken dazu gemacht, warum andere Bereiche des fantastischen Spiels – ich nenne es der Einfachheit halber einfach mal so – offenbar die Jugendlichen ansprechen. Natürlich ist in diesen Bereichen auch wesentlich mehr Geld vorhanden für Werbung, aber ich habe häufig genug das Gefühl, dass man das Wort mit C nicht aussprechen darf.

Nehmen wir die Abenteuerspielbücher, dafür braucht man keine drei bis vier anderen Leute und keinen Tisch, ein Bleistift und ein Würfel reichen meistens. Ich behaupte, gerade die neueren dieser Bücher können mit Computer-Rollenspielen aber sowas von mithalten.

Aber was lernen wir jetzt daraus?

Zeigt den Jugendlichen und Kindern, was sie haben wollen. Nämlich coole Action mit draufgängerischen Helden, die Schätze finden und Abenteuer erleben. Freibeuter, die in heldenhaften Seeschlachten bedrohte Hafenstädte retten. Cowboys, die den Wilden Westen erkunden. Helden des Alltags. Und zeigt es den Eltern, denn die kaufen den Kids zum Geburtstag und zu Weihnachten die tollen Spiele, von denen ihre Klassenkameraden erzählt haben. Zeigt den Eltern, dass Rollenspiel viele Fähigkeiten der Kinder fördert und ausbildet. Ja, ich behaupte sogar, dass es bisweilen sogar pädagogisch sinnvoll sein kann, denn beispielsweise ist erlebte Geschichte durch ein kleines Rollenspiel-Abenteuer im Alten Rom spannender als trockene Zahlen und Fakten.

Vielleicht muss das alles noch über Mundpropaganda laufen, denn ich behaupte, kein Verlag hat das Budget, zur Hauptsendezeit im Kinderfernsehen einen Spot zu schalten. Aber Rollenspiel-AGs in Schulen und Jugendtreffs könnten ein Anfang sein.

Außerdem muss es mehr einfache Spiele geben, mit denen auch schon 8-10jährige spielen können. Spielen ist ein natürliches Bedürfnis des Menschen, und gerade Kinder brauchen nicht viel, um sich in andere Rollen hineinzuversetzen. Spiele aus dem Alltag der Kinder müssen her, und einfache, märchenhafte generische Fantasy, die für Mädchen und Jungen interessant ist, wo sie eine tapfere Ritterin und ein gewitzter Magier sein können. Es braucht nicht viele Regeln, aber viel Setting und kindgerechte Abenteuer.

Wir müssen es nur wollen und machen. Also: auf gehts!