Rollenspiel goes TV, pt. 4: Lacher vom laufenden Band

Der Abschluss-Beitrag von „Rollenspiel goes TV“ dreht sich um ein in Deutschland vernachlässigtes Genre, die Sitcom. Zugegeben, das ist ein breites Feld, und sogar Wikipedia unterscheidet Sitcoms nach den Settings: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Sitcom-Serien. Es gibt Sitcoms über lustige Familienkonstellationen, Krankenhäuser, neurotische Großstädter auf der Suche nach dem Glück und verschiedenste Berufsgruppen. Da ist es naheliegend, dass es durchaus auch eine Sitcom über Rollenspieler geben könnte, nebst Irrungen und Wirrungen und Liebesleid und –freud. Das klingt jetzt alles nicht viel anders als die Seifenoper aus dem letzten Beitrag von „Rollenspiel goes TV“, aber es gibt schon einige Unterschiede.

Zum Beispiel unterscheiden sich die meisten Sitcoms von Soaps dadurch, dass sie ein festes Thema haben, um das sich die Geschichten drehen: Ein einsamer Grossstädter sucht die Frau seines Lebens, mittelständische Paketfahrer hadern mit den Widrigkeiten des Alltags und dem Schwiegervater oder zwei scheinbar ungleiche Menschen müssen über viele Umwege zueinander finden. Der Metaplot für die Rollenspiel-Sitcom könnte zum Beispiel ähnlich wie die Soaps ein Rollenspielverlag sein, in dem die Charaktere arbeiten. Natürlich haben wir hier nicht so ein riesiges Feld an Charakteren, sondern nur ca. 7-10: Die Hauptdarsteller-Clique sowie die Support-Charaktere.

Fangen wir also an. Hauptdarstellerin unsere Soap ist eine junge Rollenspielerin, die sich von ihrem Freund getrennt hat, der sie mit einer völlig unnerdigen Dame aus seiner Firma betrogen hat (ein universeller Ausgangs-Plot, der für Rollenspiel genauso gilt wie für das Thema Medizin). Dummerweise muss sich das arme Mädchen jetzt auch noch einen neuen Job suchen, denn der fiese Möpp war gleichzeitig auch ihr Chef/ihr Kollege oder sie ist gezwungen, wieder in die Heimatstadt zu ziehen, wo sie eigentlich ja vor Jahren wegwollte, Großstadtluft und so.

Durch Zufälle (oder vom Drehbuchautor festgelegt, wer weiß das schon) landet sie nun im Rollenspielverlag. Laden ginge auch, aber das ist der Plot von Astrópia (Großartiger Film für Rollenspiel-Freunde, aber ich möchte nicht anderer Leute Geschichten erzählen). Hier wartet auf sie eine überschaubare und gut miteinander verknüpfte Personengruppe:

Der Verlagschef, Single und durchaus charmant mit einigen Spleens, aber natürlich ist er nicht an unserer Hauptdarstellerin interessiert oder mag sie am Anfang noch nicht mal. Er entwickelt im Laufe der ersten beiden Staffeln dann doch Gefühle für die Hauptdarstellerin, aber es gibt erst einmal einige Sitcom-typische Irrungen und Wirrungen (Sie trifft sich mit ihrem Ex, er verscherzt es sich mit ihr aufgrund einer dummen Bemerkung, sie denkt, er mag sie nicht, er kommt mit der Eigentümerin zusammen). Kurz bevor er die Eigentümerin heiratet, kommt er mit der Hauptdarstellerin zusammen.

Die Illustratorin, eine etwas überdrehte, aber liebenswürdige Person, trägt gerne bunte Klamotten und ist vielleicht etwas naiv, die instant-beste Freundin der Hauptdarstellerin. Kommt im Laufe der Serie mit dem Chefautor zusammen.

Der Chefautor. Sehr nerdig, trägt deswegen auch als Zeichen seiner Nerdigkeit eine schwarze Hornbrille, Bart oder lange Haare und Metal- oder Nerdshirts zu bunten Hosen. Hält sich entweder für eine Inkarnation von Casanova oder ist schüchtern, natürlich ist er hoffnungslos in die Hauptdarstellerin verschossen, sie sieht in ihm aber nur einen guten Freund.

Die Eigentümerin. Ihr gehört das Gebäude, oder der Verlag. Sie ist sehr erfolgreich und etwas arrogant, hat aber natürlich auch ihre guten Seiten. Meistens ist sie jedoch in der Rolle der Antagonistin der Hauptdarstellerin unterwegs. Im Verlaufe der Serie kommt sie mit dem Verlagschef zusammen, natürlich genau in dem Moment, in dem die Hauptdarstellerin ihre Gefühle für ihn entdeckt.

Der Übersetzer. Kann auch eine Übersetzerin sein. Diese Rolle ist ein wenig die Wildcard, falls noch eine weitere Person gebraucht wird. Wenn die Serie eher in einem „Closed Room“ spielt (wie beispielsweise The IT Crowd, die größtenteils in der IT-Abteilung spielt), reicht ein überschaubares Ensemble, bei mehreren Schauplätzen kann der Übersetzer häufiger auftauchen. Er hat dann eine wiederkehrende Gastrolle.

Die Rollenspielrunde. Der Chef, die Illustratorin, der Chefautor und der Übersetzer spielen natürlich zusammen in einer Runde. Im Laufe der ersten Folge wird die Hauptdarstellerin in die Runde integriert. Zuerst möchte sie natürlich weder im Verlag arbeiten noch in der Runde mitmachen – entweder, weil ihr Exfreund ihr immer vorgeworfen hat, diesen Kinderkram doch sein zu lassen und sie un-be-dingt erwachsen sein will (oder zumindest so wirken) oder weil sie eigentlich gar nicht im Verlag arbeiten möchte und im Verlauf der ersten Folge versucht, einen cooleren Job in einem hippen Kochbuch-Verlag zu ergattern.

Damit haben wir dann alles, um eine mindestens sechs Staffeln lang erfolgreiche Serie zu machen. Natürlich würde die Sitcom auch ohne Rollenspiel funktionieren, aber mal ehrlich, in den meisten Sitcoms geht es eigentlich um die Menschen und ihre Beziehungen zueinander und nicht so sehr um ihre Jobs und Hobbies (außer, sie sind für Lacher gut).

Mit diesen Worten beende ich die Reihe „Rollenspiel goes TV“ und bedanke mich bei allen Lesern, vor allen denen, die so lange auf den Teil IV gewartet haben. Auch wenn einiges hier nicht ganz ernst gemeint war, im Kern lässt sich doch feststellen, dass Rollenspiel durchaus als Kulisse für einige Fernsehformate eignet, und nicht nur als ein weiteres skurriles Hobby von vier Wissenschaftlern aus Kalifornien.

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