Rollenspiel goes TV, Teil 1

Rollenspiel ist ein Hobby, das ein schreckliches Nischendasein fristet und demnächst aussterben wird. Also demnächst heißt, sehr bald. Wahrscheinlich morgen. Vermutlich ist es bereits ausgestorben, und wir wissen das nur noch nicht.

Aber was wäre, wenn Rollenspiel im breiten Mainstream (uuuh, Niniane, benutz‘ doch nicht so böse Wörter!) angekommen wäre und auch in Funk, Film und Fernsehen Beachtung fände? Ich habe mir mal überlegt, wie das aussehen könnte. Außerdem kann ich so zwei meiner Leidenschaften unter einen Hut bringen: Rollenspiel und die moderne Medien- und Fernsehlandschaft. Vorhang auf für eine neue Blogreihe mit dem Thema „Rollenspiel goes TV“.

Fangen wir mit etwas einfachem an: Krimi.

Krimis, sofern sie nicht aus Amerika kommen und/oder halbwegs ernst gemeint sind, laufen hierzulande gerne auf den Öffentlich-Rechtlichen am Samstag oder Sonntag zur besten Sendezeit. Ermittelt wird durch Kommissarinnen mit ihren Assistenten, ehemalige Liebespaare, gegenwärtige Liebespaare, Detektive (auch in Kombination mit Steuerfahndern), Vater-Tochter-Gespanne und die meist aus zwei gegensätzlichen Partnern bestehenden Kommissare aus dem sonntäglichen „Tatort“.

Sollte es eher humoriger werden, kann man auch beim Ersten ins Vorabendprogramm sehen, aber da es dort meistens um Lokalkolorit mit hinterwäldlerischen Eifelanern und grantelnden bayrischen Polizisten geht, klammern wir diese Serien mal aus. Noch mehr Lokalkolorit mit Elfen und Zwergen wäre wahrscheinlich ein wenig zu viel des Guten.

Damit der Zuschauer nicht gleich überfordert wird mit einer ganzen Reihe ermittelnden Nerds, die mit Hilfe des Gumshoe-Systems Parallelen zum aktuellen Fall ziehen, fangen wir einfach an und nehmen ein Ermittlerteam, dass zwar in Serie ermittelt, aber nur einmalig mit Rollenspiel zu tun hat.

Meistens ermitteln diese Kommissare / Detektive in einer bekannten Großstadt wie München, Köln, Dortmund oder Münster. Dort könnte eine grössere Convention oder (Rollenspiel-)Messe stattfinden, auf der natürlich alles rumläuft, was Rang und Namen hat: Der aufstrebende Kleinverlag, der Platzhirsch mit dem System, das sich seit Jahren verkauft wie geschnitten Brot, aber das angeblich keiner spielt, noch ein aufstrebender Kleinverlag, ein paar AutorInnen, die für mindestens drei der zwei Kleinverlage schreiben, ein paar Larper und Rollenspiel-Journalisten. Nach außen hin eine homogene Gruppe, aber unter der Oberfläche brodelt es natürlich. (Das soll jetzt übrigens keine Insidergeschichte werden, also wer hofft, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen zu finden, den muss ich enttäuschen). Es passiert ein Mord (mindestens einer, je nach Härte dürfen es aber auch zwei sein – und der Kalauer „Sie müssen aufklären, wer das Rollenspiel getötet hat“ zählt nicht). Der Fall und seine Auflösung sind für mich jetzt eher nachrangig (wahrscheinlich hat er auch gar nichts mit Rollenspiel zu tun, sondern mit verschmähter Liebe und verletzter Eitelkeit, wir sind immerhin beim Deutschen Betroffenheitsfernsehen). Der Krimi könnte aber eine wunderbare Kulisse bieten, Rollenspiel darzustellen. Wahrscheinlich ein bißchen verschroben, vielleicht etwas weltfremd (der Zuschauer möchte ja auch unterhalten werden, und wir Rollenspieler können dann über die ahnungslosen Kommissare lachen), aber mit dem nötigen Respekt, denn die Redaktion ist ihrem Bildungsauftrag nachgekommen und hat recherchiert. Außerdem gibt es natürlich einen „Insider“, der den Kommissaren die ihnen fremde Szene näherbringt, so dass sie in der Schlussszene mit der Bürobelegschaft und dem Staatsanwalt eine Runde DSA spielen.

Auf jeden Fall muss das alles so passieren, dass der Zuschauer sich denkt „Mensch, das kenn ich doch irgendwoher, das sieht aber spannend aus, wo bekomm ich das her?“ Idealerweise talkt im Anschluss Günther Jauch dann über „Kreativ oder Kaputt – Stirbt das Hobby Rollenspiel aus“ mit Verlagschefs und Autoren. Aber ich glaube, das ist reines Wunschdenken.

Und beim nächsten Mal: Rollenspiel goes TV – Die Dokusoap

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